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Einreichung Short Paper zur Abschlussarbeit

  • von

Matrikel: 01219703
Autor: Nicole Einwaller, Bsc
Telefon: +41789121318
E-Mail: nicci123einw@gmail.com

Affiliation:

Hebamme
Spital Zollikerberg, Trichtenhauser Str. 20, 8125 Zollikerberg, Schweiz

Studiengang: Advanced Practice Midwifery
Forschungsbereich: Geburtshilfe/Geburtshilfliche Notfälle

Einstellungen und Erfahrungen von Hebammen zur vaginalen Steißgeburt.

Skills- und Simulationstraining gegen das Aussterben einer Option?

Schlagwörter: vaginale Steißgeburten, Skills- und Simulationstraining, Geburtsbetreuung, Hebammengeleitete Betreuung, Mutterschaftsbetreuung

Einleitung

Bei der vaginalen Beckenendlagengeburt wird der kindliche Steiß oder die kindlichen Beine zuerst durch den mütterlichen Geburtskanal geboren, anstelle des kindlichen Kopfes wie es ansonsten bei 97% aller Geburten der Fall ist. Die sogenannte Steißlage, auch Beckenendlage genannt, kommt zum Entbindungstermin bei ca 3 -5% aller Schwangerschaften vor. Dass das Kind dann auf vaginalen Weg geboren wird, ist ein umso selteneres Ereignis geworden, da viele Geburtshelfer inzwischen den Kaiserschnitt als primären Entbindungsweg empfehlen bzw. die meisten Spitäler im deutschsprachigen Raum nur den letzten genannten Geburtsmodus anbieten bei Beckenendlagen. (Kainer, 2015; Tavares de Sousa, 2015)
Die vaginale Steißgeburt galt bis Mitte des 20. Jhd. als geburtshilflicher Standard und der Kaiserschnitt als Notfalloperation, da diese mit einer erhöhten Mortalität der Mutter einherging. Seit den 1960er Jahren wurden Operationstechniken und Narkosemittel verbessert und somit kam es zur maßgeblichen Verbesserung des mütterlichen Outcomes. (Kubli, 1975; Kainer, 2015) Zu einem Wandel des Geburtsmodus bei der Beckenendlage weltweit, kam es als die sogenannte «Hannah Studie» publiziert wurde, da dessen Ergebnisse eine erhöhte Sterblichkeit bei vaginalen Geburten bei Beckenendlagen beobachteten. (Hannah et al, 2000) Die Ergebnisse der Hannah Studie wurde zwar mit mehreren Studien revidiert, da es Mängel bei der Methodik der Hannah Studie gab, dennoch bezieht sich die Medizinwelt weiterhin auf die Hannah Studie, obwohl selbst internationale Leitlinien inzwischen vaginale Steißgeburten empfehlen, wenn die Frau den Wunsch danach hat. (Tavares de Sousa, 2015; ACOG, 2019)
So ist eine weitere Problematik ist aufgetreten, die Frauen die Selbstbestimmtheit über den eigenen Geburtsmodus nicht ermöglicht. Aufgrund des inzwischen seltenen Ereignisses einer vaginalen Beckenendlagengeburt, kam es zu einem Rückgang an fachlich qualifizierten Geburtshelferinnen und Geburtshelfern, sowie Hebammen, welche diese im Rahmen ihrer Ausbildung oder beruflichen Tätigkeit noch praktisch erlernen konnten. (Catling, 2016; Kainer, 2015)

Die Autorin dieser Arbeit stellte sich nun die Frage, ob Skills- und Simulationstraining, welche sie bereits im Bachelorstudium und auch im Masterstudium kennengelernt hat, nicht dafür geeignet sind, um Sicherheit im Management der vaginalen Beckenendlagengeburt zu erlangen, damit Hebammen auch Frauen, deren Kinder sich in Steißlage befinden und sich trotz dessen eine vaginale Geburt wünschen, betreuen zu können.

Methodische Vorgehensweise

Um die Fragestellung zu beantworten, wurde eine qualitative Datenerhebung vorgenommen. Zunächst wurde eine Interviewanfrage an fünf Spitäler in der deutschsprachigen Schweiz gesendet, von denen der Autorin bekannt war, dass diese die Option zur vaginalen Steißgeburt anbieten. Da es allerdings zu einer mangelnden Rückmeldung an Interviewpartnerinnen kam, wandte die Autorin die Rekrutierung nach dem Schneeballprinzip an, indem die Autorin die bereits gemeldeten Interviewpartnerinnen anfragte, ob sie weitere Hebammen kennen, die in einem Spital arbeiten, in der die vaginale Beckenendlagengeburt angeboten wird. Es wurden daraufhin problemzentrierte Interviews nach Wetzel durchgeführt im Zeitraum vom 3. bis 30. September 2021 mit fünf Hebammen, die in Deutschland, Österreich oder der deutschsprachigen Schweiz als Hebamme tätig sind und auch dort die Ausbildung absolviert haben. Die Interviews fanden mittels des Online Tools «Zoom» statt. Ebenfalls Voraussetzung für die Teilnahme an dem Interview war, dass die befragten Hebammen bereits einmal in ihrer Hebammentätigkeit an einem Skills- oder einer Form des Simulationstrainings teilnahmen. Mithilfe des Analyseprogramms «MAXQDA» wurden die Interviews transkribiert und nach der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz interpretiert. Der Vorteil an einem qualitativen Studiendesign ist, das die Erfahrungen und persönlichen Meinungen von den interviewten Hebammen, analysiert werden konnten und somit auf Basis dessen, was die betroffenen Hebammen angaben, weitere Forschung stattfinden kann. Eine genaue Analyse zur Effektivität zum Skills- und Simulationstrainings bei Beckenendlage konnte mithilfe einer qualitativen Datenanalyse nicht erhoben werden. Dazu sind weitere Forschungen vonnöten. Aufgrund der geringen Rückmeldungen an Hebammen die bereit waren anonym interviewt zu werden, fanden nur fünf Interviews statt.

Ergebnisse

Die interviewten Hebammen gaben alle die Meinung wieder, dass es sich bei der vaginalen Steißgeburt, um einen physiologischen Prozess und somit um einen physiologischen Geburtsmodus handelt, der allerdings aufgrund der wenigen Praxis und der somit fehlenden Erfahrung in der Manöverausführung im Rahmen des Komplikationsmanagements, als pathologische Geburt angesehen wird. Es zeigt sich, dass Skills- und Simulationstraining aus Sicht der Hebammen dazu geeignet ist, verlorene Kenntnisse, sowie praktische Fertigkeiten über die vaginale Steißgeburt mittels Trainings anzueignen, mit dem zusätzlichen Vorteil der Stärkung des eigenen Kompetenzempfindens, sowie der interdisziplinären Kommunikation und Teamarbeit.

Diskussion

Die Interviews ergaben, dass Skills- und Simulationstraining wesentlich dazu beitragen könnte, dass vaginale Beckenendlagengeburten wieder in die geburtshilfliche Praxis integriert werden könnte. Es zeigte sich allerdings durch die Literaturrecherche und den erhobenen Ergebnissen der Interviews, dass neben der Einführung von Skills- und Simulationstraining, weitere institutionelle Faktoren, wie dem personellen Setting, die Art der Schwangerschaftsbetreuung und der Aufklärung der schwangeren Frau, notwendig sind, um eine vaginale Steißgeburt in einem Geburtszentrum anbieten zu können

Aufgrund der geringen Rückmeldungen von Interviewpartnerinnen, fanden nur fünf Interviews mittels «Zoom» statt und somit ist eine inhaltliche Sättigung nicht gewährleistet. Dennoch gaben alle Hebammen die gleichen Bedürfnisse, der vermehrten Trainingsmöglichkeiten von vaginalen Steißgeburten im Rahmen des klinischen Settings an. Bereits in anderen Studien wurde darauf hingewiesen, dass es Hebammen Unsicherheiten haben in der Betreuung der vaginalen Steißgeburt, allerdings fand eine solche Befragung bisher nur im anglikanischen Raum statt und somit wurden zum ersten Mal Hebammen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz befragt. (Sloman, 2016)

Da es derzeit kaum Forschung zur Effektivität von Skills- und Simulationstraining und dessen Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl auf betroffene Hebammen hat, sieht es die Autorin als relevant an, dass weitere Forschung in diesem Gebiet stattfindet. Nicht nur um eine sichere Geburtshilfe im Rahmen der vaginalen Steißgeburt zu bieten, sondern auch, damit Frauen wieder selbstbestimmt über den Geburtsmodus bei Beckenendlagen entscheiden können.

Literatur

American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Mode of Term Singleton Breech Delivery. Volume 132, August 2018, Nr: 2, S: e60-e63

Catling, C. Care during the decision-making phase for women who want a vaginal breech birth: experiences from the field. In: Midwifery, Volume 34, March 2016, S: 111-116. DOI 10.1016/j.midw.2015.12.008

Hannah, M: Planned caesarean section versus planned vaginal birth for breech presentation at term: a randomised multicentre trial. In: Lancet 2000, Volume 356, S:1375–83

Hardy, L: A retrospective cohort study of the impact of In Time obstetric simulation training on management of vaginal breech deliveries. In: Journal of The Royal Australian and New Zealand College of Obstetricians and Gynaecologists, October 2020, Volume: 60, Nr: 5, S: 704-708

Kainer, F: Vaginale BEL-Entwicklung: Das 3-Punkte-Programm. In: Die Hebamme, 2015, 28, S:24–28

Kubli, F: Danger of fetal acidosis in vaginal delivery from breech presentation. Zeitschrift für Geburtshilfe und Perinatologie. 1975, Volume 179, Nr. 1, S: 1–16

Sloman, R: Midwives‘ views, experiences and feelings of confidence surrounding vaginal breech birth: a qualitative study. In: Midwifery, 2016, Volume: 41, S: 61-67.
doi: 10.1016/j.midw.2016.07.015

Tavares de Sousa, M: Die Lage (er)kennen. In: Deutsche Hebammenzeitschrift, 2015, Volume: 12, S: 22-27

Abbildungen

 

Erstbeurteilung:
Zweitbeurteilung:

Anmerkung: