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Einreichung Short Paper zur Abschlussarbeit

  • von

Matrikel: Nicht bekannt
Autor: Elisabeth Kogelnik, BSc MSc
Telefon: –
E-Mail: elisabeth.kogelnik@gmx.at

Affiliation:

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Studiengang: Ergotherapie und Handlungswissenschaft
Forschungsbereich: Ergotherapie und Handlungswissenschaft

Herausforderungen und Ressourcen für die Implementierung handlungsorientierter Praxis in der Ergotherapie aus Sicht von Berufseinsteiger:innen

Schlagwörter: Berufseinstieg, Handlungsorientierung

Einleitung

In der Ergotherapie stellt die Verbesserung der Handlungsfähigkeit, im Sinne der Unterstützung von Menschen bei der Durchführung von für sie bedeutungsvollen Handlungen, das wichtigste Ziel der Ergotherapie dar (DACHS, 2007, S. 6/7). Obwohl Studierende österreichischer Bachelorstudiengänge bereits seit mehreren Jahren mit diesem Fokus auf menschliche Handlung ausgebildet werden (WFOT, 2016), lassen sich Anwendungslücken zwischen den in der Ausbildung vermittelten Inhalten und der ergotherapeutischen Berufspraxis erkennen. Besonders für Ergotherapeut:innen in der Berufseinstiegsphase führt die erlebte Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zu besonderen Herausforderungen (Tryssenaar & Perkins, 2001).

Zielsetzung dieser Arbeit war es, Wissen in Bezug auf Einstellungen, Erfahrungen und Bedürfnisse von Ergotherapeut:innen zur handlungsorientierten, ergotherapeutischen Praxis in der Berufseinstiegsphase in Österreich zu generieren und allen an einem gelungenen Berufseintritt interessierten Personen einen Einblick über förderliche Faktoren für die Implementierung handlungsorientierter Ergotherapie zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Handlungsfelder für die Unterstützung des Theorie-Praxis-Transfers während des Berufseinstiegs abzuleiten und so das Erreichen eines hohen Qualitätsstandards in der Klient:innenversorgung sicherzustellen.

Methodische Vorgehensweise

Zur Identifizierung von einflussnehmenden Faktoren bei der Implementierung handlungsorientierter Praxis in der Ergotherapie wurde ein explorativer, qualitativer Zugang gewählt.

Um ein möglichst umfassendes Bild über individuelle Motive, Meinungen, Erfahrungen und Bedürfnisse der Teilnehmer:innen zu erhalten, wurden zwei Fokusgruppen mit insgesamt zwölf Ergotherapeut:innen durchgeführt. Nach dem Aufruf zur Studienteilnahme über den Alumni-E-Mail-Verteiler zweier für diese Studie kooperierender Fachhochschulen, der Fachhochschule Kärnten und der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, erhielten interessierte Personen weitere Informationen zu den Fokusgruppen. Im Rahmen der informierten Einwilligung (Döring & Bortz, 2016, S. 214) wurden sie über ethische Aspekte der Studie, wie der freiwilligen Teilnahme, dem Zweck der Studie, dem Ablauf der Fokusgruppen und der Anonymisierung der Daten aufgeklärt.

Die Studienteilnehmer:innen waren AbsolventInnen des Bachelorstudiengangs Ergotherapie des Abschlussjahrgangs 2018 der Fachhochschule Kärnten und der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, die bis zum Zeitpunkt der Datenerhebung bereits als Ergotherapeut:innen tätig sind bzw. waren. Die Teilnehmer:innen gelten nach dem Verständnis von Hodgetts, Hollis, Triska, Dennis, Madill und Taylor (2007) als Berufsanfänger:innen, da sie weniger als zwei Jahre Berufserfahrung aufweisen. Eine hohe Diversität hinsichtlich Alter, Geschlecht, Arbeitsort, Fachbereich und Setting der Beschäftigung wurde innerhalb der Studienteilnehmer:innen zur Erzeugung mannigfaltiger Ergebnisse (Krueger & Casey, 2014, S. 81) angestrebt.

Zur Datenerhebung wurden im März 2020 zwei Fokusgruppen zu ungefähr je zwei Stunden durchgeführt. Eine Fokusgruppe fand in Innsbruck/Österreich, die andere aufgrund der weltweiten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus, dem sog. SARS-CoV-2 (Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 16.3.2020), online via Live-Video-Stream statt. Externe Moderator:innen, welche sowohl im ergotherapeutischen Berufsfeld als auch in der Moderation langjährige Erfahrung besitzen, führten durch den zuvor festgelegten Ablauf, um die Vergleichbarkeit der beiden Gruppen zu ermöglichen. Der Auftrag der moderierenden Personen war neben der Ermöglichung einer konstruktiven, aufgeschlossenen Atmosphäre mit offener und fairer Kommunikation die Generierung von Informationen zu den Fragestellungen. Beide Fokusgruppen wurden mithilfe eines elektronischen Aufnahmegerätes digital aufgezeichnet. Die strukturierte Protokollierung der Ergebnisse und Aussagen der teilnehmenden Personen während den Fokusgruppen übernahm die Autorin dieser Arbeit.

Die erhobenen Daten wurden wortwörtlich transkribiert und im Anschluss nach dem Prozess der qualitativen Inhaltsanalyse nach Elo und Kyngäs (2008) mittels deduktiver und induktiver Methoden ausgewertet. Zur Unterstützung der qualitativen Datenanalyse wurde die Analyse-Software MaxQDA in der Version 18.2.2 verwendet.

Die Konzeption der Forschungsarbeit orientierte sich an den ethischen Prinzipien der Deklaration von Helsinki (World Medical Association, 2013). Das Research Committee for Scientific and Ethical Questions (RCSEQ) der Privatuniversität UMIT, Hall in Tirol, und der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH sowie die Ethikkommission Kärnten erteilten im verkürzten Verfahren ohne Einwände die Genehmigung zur Durchführung der Studie. Ein ethisch verantwortungsvoller Umgang mit den Teilnehmenden und den gesammelten Daten dieser Studie wurde während des gesamten Forschungsprozesses angestrebt.

Ergebnisse

Insgesamt konnten zwölf Personen für die Teilnahme an der Studie gewonnen werden, jeweils sechs Person pro Fokusgruppe. Sie waren zwischen 21 und 30 Jahren, das Durchschnittsalter lag bei 25,7 Jahren. Die teilnehmenden Personen üben ihre angestellte sowie freiberufliche Tätigkeit im Durchschnitt mit 32,5 Stunden pro Woche in unterschiedlichen Fachbereichen aus. Die beiden Männer und zehn Frauen haben ihre Arbeitsstellen in Kärnten, Salzburg und Tirol.

Die Studienteilnehmer:innen beider Fokusgruppen zeigten ein aktuelles Begriffsverständnis von handlungsorientierter Praxis in der Ergotherapie. Dies wurde durch die Einnahme einer berufsspezifischen Haltung mit einem Verständnis von Handlung als Kernthema der Ergotherapie sowie durch die Fokussierung auf Handlungen in verschiedenen Schritten des ergotherapeutischen Prozesses dargestellt.

Die Teilnehmenden schilderten eine Vielzahl an personen-, handlungs- und vor allem umweltbezogenen Faktoren, die den Einsatz von individuell bedeutungsvollen Handlungen als Mittel und Ziel in der täglichen Praxis von ErgotherapeutInnen fördern, aber auch hindern. Besonders persönliche Kompetenzen und Erfahrungswerte als auch Arbeitsbedingungen und zwischenmenschliche Beziehungen wurden während des Berufseinstiegs als wesentliche Einflussfaktoren für die Umsetzung handlungsorientierter Praxis beschrieben.

Darüber hinaus wurden die Fachhochschulen, Dienstgeber:innen und Fortbildungseinrichtungen sowie der österreichische Berufsverband der Ergotherapeut:innen als mögliche unterstützende Institutionen für die Implementierung handlungsorientierter Ergotherapie identifiziert. Der Bedarf und Wunsch nach fachbereichsspezifischen Fortbildungen, individuellen Unterstützungs- und Beratungsangeboten, Möglichkeiten zum kollegialen Austausch in der Community und am Arbeitsort sowie Angeboten und Leistungen auf Hochschulebene während und nach der Ausbildung wurde in den Fokusgruppen geäußert.

Diskussion

Obwohl Studierende der Bachelorstudiengänge Ergotherapie in Österreich seit mehreren Jahren nach internationalen Standards und der Fokussierung auf bedeutungsvolle Handlungen ausgebildet werden, finden sich aus Sicht der Teilnehmer:innen aktuell noch viele Hindernisse in der Umsetzung des theoretischen Wissens in die ergotherapeutische Berufspraxis. Daher lässt sich ein aktueller Handlungsbedarf zur Unterstützung und Begleitung von Ergotherapeut:innen in der Berufseinstiegsphase ableiten, um einen gelingenden Transfer von in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen in die handlungsorientierte Praxis und somit hohe Qualität der Arbeit zu ermöglichen. Die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen am Arbeitsort mit klar definierten Rollen- und Zuständigkeitsprofilen, realistischer Arbeitsauslastung und sozialer Unterstützung sollte neben einer engen Kooperationen zwischen Hochschulen, österreichischem Berufsverband, Fort- und Weiterbildungsinstitutionen und der Praxis mit der Entwicklung und Etablierung zielgruppenspezifischer Angebote und Leistungen fokussiert werden.

Zur weiteren Professionalisierung des Berufes bedarf es zudem Maßnahmen zur Verbreitung des aktuellen Berufsbildes der Ergotherapie innerhalb und außerhalb der Profession mit Anerkennung der therapeutischen und gesundheitsfördernden Wirkung von sinnvoller Handlung.

Literatur

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (16.3.2020). Neuartiges Coronavirus (COVID-19). Verfügbar unter: https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/UebertragbareKrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Neuartiges-Coronavirus.html

DACHS (2007). Ergotherapie – Was bietet sie heute und in Zukunft? Bozen: CLAUDIANA – Landesfachhochschule für Gesundheitsberuf

Döring, N. & Bortz, J. (2016). Forschungs- und Wissenschaftsethik. In N. Döring & J. Bortz (Hrsg.), Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. S. 121–139. Berlin, Heidelberg: Springer.

Elo, S. & Kyngäs, H. (2008). The qualitative content analysis process. Journal of Advanced Nursing, 62(1), 107–115. doi: 10.1111/j.1365-2648.2007.04569.x.

Hodgetts, S., Hollis, V., Triska, O., Dennis, S., Madill, H. & Taylor, E. (2007). Occupational therapy students’ and graduates’ satisfaction with professional education and preparedness for practice. Canadian Journal of Occupational Therapy, 74(3), 148–160. doi: 10.1177/000841740707400303

Krueger, R. A. & Casey, M. A. (2014). Focus Groups: A Practical Guide for Applied Research (5. Auflage). Thousand Oaks: SAGE Publications, Inc.

Tryssenaar, J. & Perkins, J. (2001). From Student to Therapist: Exploring the First Year of Practice. The American Journal of Occupational Therapy, 55, 19–27. doi: 10.5014/ajot.55.1.19

World Federation of Occupational Therapists (WFOT) (2016). Mindeststandards für die Ausbildung von Ergotherapeuten Revision 2016. Verfügbar unter: https://wfot.org/resources/new-minimum-standards-for-the-education-of-occupationaltherapists-2016-e-copy

World Medical Association (WMA) (2013). WMA Deklaration von Helsinki – Ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen. Verfügbar unter: https://www.fh-gesundheitsberufe.at/wp/wpcontent/uploads/2018/06/Deklaration_von_Helsinki_2013_DE.pdf

Abbildungen

 

Erstbeurteilung:
Zweitbeurteilung:

Anmerkung: