Zum Inhalt springen

Einreichung Short Paper zur Abschlussarbeit

  • von

Matrikel: Nicht bekannt
Autor: Mathias Giger,
Telefon: –
E-Mail: mathias.giger@edu.fhg-tirol.ac.at

Affiliation:

Inhaber ergo32 Praxis für Ergotherapie

Studiengang: Ergotherapie und Handlungswissenschaft
Forschungsbereich: Ergotherapie und Handlungswissenschaft

Ergotherapie auf Makroebene

Pionier*innen gesucht

Schlagwörter:

Einleitung

Die Makroebene übt auf verschiedene Art und Weise Einfluss auf die tägliche Arbeit in der Ergotherapie aus. Zum Beispiel wenn sich Ergotherapeut:innen auf politischer Ebene für Klient:innen einsetzen, wenn diese in ihren Partizipationsmöglichkeiten an einer für sie relevanten Handlung gehindert werden. Das Positionierungspapier des Weltverbands der Ergotherapie von 2008, in welchem den umfassenden Allgemeinen UN-Deklarationen über die Menschenrechte zugestimmt wurde, erwähnt: Jeder Mensch hat ein Recht, an Betätigungen teilzunehmen.

Weiter beschreiben zahlreiche Expert:innen, dass es zentral ist, sich neben der Mikro- und Mesoebene auch auf der Makroebene für in ihrer Handlungsmöglichkeit eingeschränkte Klient:innnen zu engagieren und den Beruf der Ergotherapie auf der Makroebene zu professionalisieren. Aktuell gibt es jedoch keine Literatur, die aufzeigt, wie Ergotherapeut:innen sich für Klient:innen auf der Makroebene einsetzen können und welche Faktoren sich fördernd oder hausfordernd auswirken, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen.

Ziele der Arbeit sind die Identifikation von fördernden und herausfordernden Faktoren im Bereich von Person und Umwelt von Ergotherapeut:innen, um Einfluss auf der Makroebene nehmen zu können. Zur Erreichung der genannten Forschungsziele sind folgende Forschungsfragen entstanden.

Was ist notwendig, damit Ergotherapeut:innen auf der Makroebene Einfluss nehmen können?

  1. a) Welche Umweltfaktoren beschreiben Ergotherapeut:innen, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen?
  2. b) Welche personbezogenen Faktoren beschreiben Ergotherapeut:innen, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen?

Methodische Vorgehensweise

Insgesamt nahmen sechs Teilnehmer:innen an dieser Studie teil. Jeweils zwei Interviewpartner:innen stammen aus den Ländern Österreich, Deutschland und der Schweiz. Alle weisen Erfahrungen in der Arbeit für ergotherapeutische Anliegen auf der Makroebene im Gesundheitsbereich auf. Die Daten dieser Arbeit wurden mittels semistrukturierten Interviewleitfaden erhoben. Aufgrund der zum Teil weiten Anfahrtsdistanzen wurden keine Face-to-Face-Interviews durchgeführt. Die Auswahl des Mediums (beispielsweise Telefon oder Signal) wurde den Teilnehmer:innen überlassen. Die Daten wurden transkribiert und anschließend anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse, angelehnt an Elo & Kyngäs (2008), ausgewertet. Dabei wurden sowohl deduktiv als auch induktiv entsprechende Kategorien gebildet. Um die Qualität dieser Arbeit zu steigern fand eine kommunikativen Validierung und Forscher:innentraingulierung statt (Flick, 2019).

Ergebnisse

Im Rahmen der Masterarbeit sollte durch Expert:inneninterviews erhoben werden, was Ergotherapeut:innen benötigen, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen. Dabei wurde zwischen personbezogen Faktoren und Umweltfaktoren unterschieden.

Insgesamt konnten sieben fördernde und fünf herausfordernde Umweltfaktoren identifiziert werden, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen. Als fördernd wurden dabei Netzwerke (n=6), Arbeitgeber:innen (n=6) und die Zusammenarbeit (n=5) am häufigsten genannt. Im Gegensatz dazu erwähnten die Teilnehmer:innen die fehlende Zeit (n=5) und das Geld (n=4) am häufigsten als herausfordernd.

Im Bereich der personbezogenen Faktoren wurden sieben fördernde und sieben herausfordernde erwähnt, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen. Bei den fördernden Faktoren wurden am häufigsten Aussagen im Bereich Kompetenzen (n=6) sowie Persönlichkeit (n=6) und Denkweisen (n=5) getätigt.

Innerhalb der Kompetenzen wurde von allen  Teilnehmer:innen die Sachlichen Kompetenzen (n=6) als wesentliche und fördernde Faktoren genannt, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen. Aussagen zu politischen und rechtlichen Kompetenzen wurden von jeweils fünf der sechs Teilnehmer:innen getätigt. Wie die sachlichen Kompetenzen wurden auch die fachlichen von allen sechs Teilnehmer:innen erwähnt. Die kommunikativen Kompetenzen wurden von fünf der sechs Teilnehmer:innen direkt benannt.

Im Bereich der Persönlichkeit stachen vor allem das Engagement (n=5) und Offenheit (n=4), die eine Person haben muss, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen, heraus. Fünf von sechs Teilnehmer:innen erwähnten in den Interviews unterschiedliche Arten von Denkweisen. Dabei wurde am häufigsten das systemisches Denken (n=2) erwähnt.

Bei den herausfordernden Faktoren wurde der Umgang mit der eigenen Rolle (n=2) überwiegend genannt.

Diskussion

In der für diese Arbeit berücksichtigen Literatur lag, wie in der durchgeführten Studie, die Mehrzahl der Antworten der Teilnehmer:innen im Bereich der personbezogenen Faktoren. Gerade die Fach- bzw. professionsspezifischen Kompetenzen und Kommunikation sind essenziell, um auf der Makroebene Einfluss zu nehmen, was auch in einer Studie von Dhillon et al. (2015) beschrieben wird.

Obwohl die Studie die Bedeutung der personbezogenen Faktoren aufzeigt, wird auf der anderen Seite die Relevanz von Zusammenarbeit und Netzwerk in der Gruppe für den Einfluss auf der Makroebene ersichtlich. Durch die Zusammenarbeit können Stärken und Fähigkeiten verschiedener Personen gebündelt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass es essenziell ist, Verbündete zu finden, um Einfluss auf der Makroebene nehmen zu können. Die Zusammenarbeit mit anderen Personen ist unverzichtbar, aber eine schwierige Aufgabe; zur Entwicklung dieser Beziehung wird viel Zeit benötigt (Baillard et al., 2020). Es wurde außerdem deutlich, dass sich die Bereiche Person und Umwelt wechselwirksam positiv als auch negativ beeinflussen können. Weitere Forschung ist indiziert, um herauszufinden, wie die beschriebenen Faktoren erlernt werden können und ob es länderspezifische Unterschiede gibt. Die tägliche Arbeit der Ergotherapeutinnen kann einen positiven Einfluss auf die Makroebene haben, wenn sie gut ausgeführt wird. Dennoch braucht es mehr Pionier:innen, die auf der Makroebene Einfluss nehmen, um die Interessen der Berufskolleg:innen und Klient:innen zu vertreten.

Literatur

Baillard, A.L., Dallmann, A.R., Carroll, A., Lee, B.D., & Szendrey, S. (2020). Doing Occupa-tional Justice: A Central Dimension of Everyday Occupational Therapy Practice. Canadian Journal of Occupational Therapy, 1-9. https://doi.org/10.1177/0008417419898930

Dhillon, S., Wilkins, S., Stewart, D., & Law, M. (2015). Understanding advocacy in action: A qualitative study. British Journal of Occupational Therapy, 1-8. https://doi.org/10.1177/0308022615583305

Elo, S., & Kyngäs, H. (2008). The qualitative content analysis process. Journal of Advanced Nursing, 62(1), 107-115. https://doi.org/10.1111/j.1365-2648.2007.04569.x

World Federation of Occupational Therapists (2008). Positionsklärung: Menschenrechten. Verfügbar unter: https://www.wfot.org/resources/human-rights

Flick, U. (2019). Qualitative Sozialforschung: Eine Einführung (Originalausgabe, 9. Auflage). Rororo Rowohlts Enzyklopädie: Vol. 55694. Reinbek bei Hamburg: Rowohlts Taschenbuch.

Abbildungen

 

Erstbeurteilung:
Zweitbeurteilung:

Anmerkung: