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Einreichung Short Paper zur Abschlussarbeit

  • von

Matrikel: 01519977
Autor: Sabrina Markl, BScN
Telefon: 06766145660
E-Mail: sabrina29792@gmail.com

Affiliation:

DGKP Chirurgie/Interdisziplinäre Chirurgie, Tirol Kliniken GmbH, LKH Hall in Tirol

Studiengang: Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen
Forschungsbereich: Prozessmanagement

Lean Management im Gesundheitswesen

Schlagwörter: Lean Management, Lean Healthcare, Lean Hospital, Tirol, Österreich, Anwendung

Einleitung

Das Gesundheitswesen ist mit steigenden Kosten, einer immer älter werdenden Bevölkerung, einem Zunehmen von chronischen Erkrankungen und einem Wachstum der medizinisch-technologischen Lösungsansätze konfrontiert. Dies stellt den Gesundheitssektor vor eine große Herausforderung und führt dazu, dass eine Gesundheitsreform mit neuen Strategien und Abläufen notwendig ist um die Qualität, den entsprechenden Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Erfüllung der PatientInnenbedürfnisse zu gewährleisten [1]. Durch das Verschlanken von Prozessen kommt es zur Einsparung von Kosten, Zeit und Ressourcen. Dies hat zur Folge, dass das Agieren effizienter wird, ohne eine Effektivitätsminderung herbeizuführen [2]. Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, aufzuzeigen, wie Lean Management auf Krankenhäuser umgelegt werden kann und wie es bereits konkret Anwendung in Tiroler Krankenhäusern findet.

Methodische Vorgehensweise

Um eine theoretische Grundlage, sowie den aktuellen Forschungsstand und die Relevanz des Themas zu ermitteln, wird eine ausführliche Literaturrecherche durchgeführt. Zur Datenerhebung werden acht semistrukturierte, leitfadengestützte ExpertInneninterviews abgehalten. Der ExpertInnen-Begriff wird Personen, welche in öffentlichen Gesundheits- und Krankenanstalten Österreichs tätig sind, zugeschrieben. Die beruflichen Schwerpunkte der befragten Personen liegen in den Bereichen Medizin, Pflege, Qualitäts- und Risikomanagement, sowie Bereichsmanagement. Ein weiteres Interview wird mit zwei Schweizer ExpertInnen geführt. Dieses fließt nicht in den Ergebnisteil ein, allerdings dient es als Grundlage für die Erarbeitung des Interviewleitfadens. Im Anschluss findet eine Transkription nach den Regeln von Dresing und Pehl statt. Die Auswertung erfolgt nach Meuser und Nagel, die die qualitative Inhaltsanalyse in fünf Schritten abarbeiten.

Ergebnisse

In Bezug auf effizientes Arbeiten innerhalb eines Krankenhauses führen die befragten Personen besonders die Orientierung an den PatientInnenbedürfnissen, den Qualitätsaspekt, sowie Zeit und Ressourcen an. Nicht alle ExpertInnen verfügen über ausreichend Verständnis hinsichtlich des Lean Management-Ansatzes.  Knapp die Hälfte der befragten Personen gibt an, dass Lean vollständig oder zumindest teilweise auf Krankenhäuser umgelegt werden kann. Abhängig davon, inwieweit bereits im Vorfeld eine theoretische, sowie praktische Auseinandersetzung mit der Lean-Thematik erfolgt hat, wird Lean als qualitätsfördernde, ganzheitliche Management-Methode gesehen. Optimierungsmaßnahmen von Strukturen und Abläufen, sowie die Reduktion von Wartezeiten und die Minimierung der Personalbelastung werden genannt.

Standardisierte Prozesse, sowie eine gute Kommunikation und Zeiteinteilung sind besonders wichtig. Vor allem den Standards kommt eine maßgebende Bedeutung zu, da diese bedürfnisorientiert und unbedingt einzuhalten sind. Um Verbesserungen durchführen zu können, werden diese regelmäßig evaluiert. Für den Erfolg von Lean bedarf es auch der Identifikation mit diesem Management-Ansatz. Hier nimmt die Führung eine besondere Rolle ein. Sie muss sich klar zu Lean positionieren und den Ansatz bewerben, sowie Ressourcen für die Umsetzung bereitstellen. Tools, die sich für den Krankenhausalltag eignen, sind Gembas, Huddles und Flowboards. Der Fokus hier liegt auf den einzelnen Schwerpunkten, dem Verständnis und dem Optimierungspotential, sowie dem Austausch wichtiger Informationen. Zu beachten ist, dass eine Reduzierung des Lean-Ansatzes auf einzelne Tools vermieden werden soll, da dies den Erfolg der Implementierung negativ beeinflusst.

Genannte Gründe für die Implementierung sind Zeit- und Personalmangel, sowie Stress. Um eine erfolgreiche Durchführung zu erzielen, ist es wichtig, dass das Lean-Verständnis sowohl bei der Führung als auch bei den MitarbeiterInnen vorhanden ist. Als Auswirkung wird der verbesserte Informationsfluss, sowie die Verbesserung des Betriebserfolges, als auch Zufriedenheit am Arbeitsplatz und ein Kulturwandel angeführt. In der Erhebung wird auch deutlich, dass besonders ExpertInnen, welche weniger Erfahrung mit Lean haben, eine Kostenreduktion als Ziel erachten. Personen mit mehr Erfahrung hingegen betonen, dass dies als eine Begleiterscheinung zu betrachten ist, jedoch kein primäres Ziel darstellt.  In Tiroler Krankenhäusern findet Lean Management bisher kaum Anwendung.

Diskussion

Aufgrund der Herausforderungen im Gesundheitswesen ergibt sich eine Empfehlung für die Anwendung von Lean Management in Krankenhäusern. In Bezug auf die Individualität der PatientInnen ist jedoch zu beachten, dass das Umlegen des Lean-Ansatzes herausfordernd sein kann [3]. Auch die unterschiedlich gestalteten Arbeitsweisen auf den einzelnen Abteilungen, sowie die inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit können diesen Aspekt verstärken. Um eine erfolgreiche Implementierung zu erzielen, muss einerseits das Verständnis für Lean, sowie die Bereitschaft zur Umsetzung geschaffen werden. Die verbindliche Einhaltung von Standards wird hier auch als Orientierungshilfe erachtet. Obwohl sich einige Methoden für das Krankenhaus Setting besonders gut eignen, würde die Umsetzung gegenwärtig mit vielen Hürden einhergehen. Besonders das fehlende Verständnis und das mangelnde Bekennen der Führungsebene zum Lean-Ansatz würden eine Implementierung aktuell scheitern lassen. Ohne die Erfüllung dieser Grundvoraussetzungen ist es auch nicht möglich, die Motivation der MitarbeiterInnen zum Mitwirken zu steigern. Mangelndes MitarbeiterInnenengagement hingegen stellt ein Hindernis für die Implementierung dar [4]. Lean Management ist in Österreich, besonders in Tirol, noch eine sehr junge Philosophie, der gegenwärtig nur vereinzelt eine besondere Bedeutung zukommt.

Literatur

[1] Wickramasinghe, Nilmini et al.: Lean Thinking for Healthcare. New York: Springer, 2014, 1. Aufl.

[2] Sendlhofer, Gerald et al.: Qualitäts- und Risikomanagement im Gesundheitswesen. Der schnelle Einstieg. München: Carl Hanser Verlag, 2018, 1. Aufl.

[3] Scholz, Andreas: Die Lean-Methode im Krankenhaus. Die eigenen Reserven erkennen und heben. Wiesbaden: Springer Gabler, 2016, 2. Aufl.

[4] Aij, Kjeld Harald et al.: Experiences of leaders in the implementation of Lean in teaching hospital – barriers and facilitators in clinical practices: a qualitative study. In: BMJ Open 3, 2013, 1-8

Abbildungen

 

Erstbeurteilung:
Zweitbeurteilung:

Anmerkung: