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Einreichung Short Paper zur Abschlussarbeit

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Matrikel: a1369225/Personenkennzeichen 1710580024
Autor: Maria Tüchler, BSc.
Telefon: +436509931551
E-Mail: maria.tuechler@gmx.net

Affiliation:

Product Specialist Interventional Oncology
Terumo Deutschland GmbH
Zweigniederlassung Österreich
Liebermannstraße F10.301
2345 Brunn/Gebirge

Studiengang: Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen
Forschungsbereich: Qualitätsmanagement

Die Prostata-Arterien-Embolisation:

Eine morphologische und klinisch-symptomatische Analyse einer sicheren und effektiven minimal-invasiven Therapiemethode des benignen Prostatasyndroms

Schlagwörter: Prostata-Arterien-Embolisation, intravesikale Prostataprotrusion, Prostatische Urethra Angulation, Symptome des unteren Harntrakts, Lebensqualität, Internationaler Prostata Symptom Score, benignes Prostatasyndrom,

Einleitung

Das benigne Prostatasyndrom ist die Hauptursache für Symptome des unteren Harntrakts des Mannes (Margreiter/Shariat 2016b: 1289) welche in drei Kategorien eingeteilt werden: irritative Harnspeichersymptome, Miktionsbeschwerden und Post-Miktionsbeschwerden (Abrams et al. 2002: 168; Kovács 2017: 641; Kovács 2020: 54; Ponholzer et al. 2012: 23; Wefer/Loch 2014: 469). Speichersymptome, wie nächtliches Wasserlassen (Nykturie) oder plötzlicher Harndrang, sind für die betroffenen Patienten unangenehmer als Miktionsbeschwerden wie etwa ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl (Eckhardt et al. 2001: 565; Ponholzer et al. 2012: 23). So führt z.B. die Dranginkontinenz zu einem größeren Verlust an Lebensqualität als ein schlecht eingestellter Diabetes Mellitus, Herz- oder Tumorleiden. Die Nykturie geht beim berufstätigen Mann oft mit mehreren Krankschreibungen einher, weiters führt sie zu mehr Müdigkeit untertags, da die Schlafphase verkürzt wird. Durch die erhöhte Fallneigung beim nächtlichen Wasserlassen kann es zu Krankenhausaufenthalten und Knochenbrüchen, welche dann wiederum mit Thrombosen und Embolien assoziiert sind, kommen (Ponholzer et al. 2012: 23 f.). Neben der Einbuße an Lebensqualität beim Patienten, stellen die Symptome des unteren Harntrakts als häufige Beschwerde beim älteren Mann somit auch eine erhebliche wirtschaftliche Belastung dar (Gravas et al. 2021: 4).

Die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) ist eine neue und vielversprechende minimal-invasive Therapiemethode des benignen Prostatasyndroms und wird in lokaler Anästhesie in der interventionellen Radiologie durchgeführt (Kovács 2017: 647 ff.; McWilliams et al. 2014: 1349). Sie soll nicht als Ersatz chirurgischer Methoden, sondern als Überbrückung zwischen ausgeschöpfter medikamentöser Therapie und Operation und somit als Ergänzung gesehen werden. Im Falle einer Progression schließt eine vorangegangene PAE eine nachfolgende chirurgische Intervention nicht aus (Kovács 2020: 60). Die transurethrale Resektion der Prostata gilt als Goldstandard bei der operativen Therapie des benignen Prostatasyndroms (Bach 2014: 166; Bach/Höfner 2015: 33; Gravas et al. 2021: 28; Kovács 2020: 54; Lengersdorf et al. 2016: 454; Margreiter/Shariat 2016a: 1286; Schroeder-Printzen 2016: 2312), geht jedoch postoperativ in 60 – 90 % der Fälle mit einer retrograden Ejakulation einher. In ca. 5 % der Fälle sind Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten und eine erneute endoskopische Blutstillung aufgrund von schweren Blutungen notwendig (Weidner et al. 2014: 91).

Für die PAE ist eine adäquate Patientenauswahl im Vorfeld erfolgsentscheidend (Kovács et al. 2020: 837; Maßmann et al. 2020: 239; Pereira et al. 2012: 274), Fachgesellschaften wie der European Association of Urology fehlen jedoch eine konkrete Definition, welche Patienten von einer PAE am besten profitieren (Gravas et al. 2021: 41). Auch in der scientic community wird durchgängig gefordert der Frage nach der geeigneten Patientenselektion für die PAE weiter nachzugehen.

Die intravesikalen Prostataprotrusion und die prostatischen Urethra Angulation sind dabei interessante Parameter, da ihre Rollen im Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt sind.

 

Aus diesem Grund wurden folgende Forschungsfragen für diese Arbeit formuliert:

  1. Bei welchen Patienten mit benignem Prostatasyndrom kann die Lebensqualität am besten durch die Prostata-Arterien-Embolisation gesteigert werden?
  2. Hat die Größe der intravesikalen Prostataprotrusion vor der Prostata-Arterien-Embolisation eine Auswirkung auf die Veränderung der Lebensqualität?
  3. Hat die Größe der prostatischen Urethra Angulation vor der Prostata-Arterien-Embolisation eine Auswirkung auf die Veränderung der Lebensqualität?)
  4. Bei welchen Patienten verringern sich nach der Prostata-Arterien-Embolisation die Symptome am stärksten?
  5. Hat die Größe der intravesikalen Prostataprotrusion vor der Prostata-Arterien-Embolisation eine Auswirkung auf die Veränderung der Symptome?
  6. Hat die Größe der prostatischen Urethra Angulation vor der Prostata-Arterien-Embolisation eine Auswirkung auf die Veränderung der Symptome?)

 

Methodische Vorgehensweise

Um die Forschungsfragen zu beantworten, wurde eine empirische Forschungsarbeit mit quantitativem Forschungsdesign im Längsschnitt gestaltet. Angelehnt an den von Döring & Bortz (2016: 27) dargestellten quantitativen Forschungsprozess wurden nach Zusammenfassung der aktuellen Literatur empirische Daten analysiert und interpretiert. Es handelt sich dabei um Daten von Patienten mit diagnostiziertem benignen Prostatasyndrom und mittelschwerer bis schwerer Symptomatik. Es wurde die Symptomausprägung und die krankheitsspezifische Lebensqualität mittels standardisiertem Fragebogen mit Likert-Skala (Internationaler Prostata Symptom Score -IPSS) vor der PAE (T0) sowie 2 (T1) und 6 Monate (T2) nach der Behandlung erhoben. Zusätzlich wurden morphologische Veränderungen der Prostata dokumentiert und die Analysen basierend auf den initialen Werten durchgeführt.

Ergebnisse

Es konnte gezeigt werden, dass sich nach der PAE die krankheitsspezifische Lebensqualität erhöhte und die Symptome in allen Gruppen verringerten.

Jeweils 5 der 14 Patienten antworteten vor der Therapie auf die Frage „Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie den Rest Ihres Lebens mit den jetzigen Beschwerden verbringen müssten?“ mit „6 – sehr unzufrieden“ und „5 – unzufrieden“. Keiner gab an „2 – überwiegend zufrieden“, „1 – zufrieden“ oder „0 – sehr zufrieden“ zu sein. Im 2- und 6-Monats-Follow-Up gaben 8 bzw. 10 von ihnen die Antwort „0 – sehr zufrieden“ zu sein, jeweils einer gab an „1 – zufrieden“ zu sein. Keiner der Probanden wählte die Antwortmöglichkeit „6 – sehr unzufrieden“ oder „5 – unzufrieden“ aus.

Vor der PAE fielen 11 der 15 Patienten in die Kategorie der schweren Symptomatik, die verbleibenden 4 hatten mittelschwere Symptome. Im 2 m Follow-Up lagen bei 10 Patienten milde Symptome vor, bei 4 mittelschwere Symptome und bei Einem schweren Symptome. Im 6 m Follow-Up blieb die Anzahl der Patienten mit milder Symptomatik gleich, ein Patient weniger entfällt auf die mittelschwere Kategorie und entsprechend einer mehr auf die schwere. Die PAE konnte sowohl Speicher- als auch Miktionsbeschwerden senken.

Es wurde kein statistisch signifikanter Unterschied in der Symptomveränderung und in der Verbesserung der Lebensqualität zwischen Patienten mit initial größerer und initial geringerer intravesikaler Prostataprotrusion oder prostatischer Urethra Angulation festgestellt.

Zwischen der Lebensqualität konnte weder mit 2-seitiger noch mit 1-seitiger Testung eine signifikante Korrelation mit der intravesikalen Prostataprotrusion oder der prostatischer Urethra Angulation nachgewiesen werden. Auch zwischen dem IPSS-Wert und der intravesikalen Prostataprotrusion oder der prostatischer Urethra Angulation konnte keine signifikante Korrelation gezeigt werden.

Die Lebensqualität korreliert jedoch signifikant positiv mit dem IPSS-Wert (ρ = .419; p < .001; n = 113).

Es wurde von keinen unerwarteten Ereignissen im Zusammenhang mit der PAE berichtet.

Diskussion

Die Datenlage zur prostatischen Urethra Angulation und zur intravesikalen Prostataprotrusion ist, speziell im Hinblick auf die PAE, sehr gering. Der Großteil der vorhandenen Daten stammt aus dem asiatischen Raum, Kuo (1999: 91) zeigt jedoch auf, dass die durchschnittliche Prostata Taiwanesischer Männer kleiner ist als die westlicher Männer.

Die geringe Probandenanzahl in einzelnen Analysen stellt eine maßgebliche Limitation der vorliegenden Arbeit dar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die geringe Probandenzahl von Teilweise n = 14 dazu geführt hat, dass keine statistisch signifikanten Korrelationen nachweisbar waren, weshalb die Forschungsfragen „Bei welchen Patienten mit BPS kann die Lebensqualität am besten durch die PAE gesteigert werden?“ und „Bei welchen Patienten verringern sich nach der PAE die Symptome am stärksten?“ aus diesem Grund nicht abschließend beantwortet werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die PAE bei den untersuchten Patienten effektiv die Symptome gesenkt und die Lebensqualität erhöht hat. Zukünftige Untersuchungen sollten die intravesikale Prostataprotrusion und die prostatische Urethra Angulation berücksichtigen, um deren Wirkmechanismen genauer verstehen zu können. Für aussagekräftige Ergebnisse und eine Einschätzung der Rolle der intravesikalen Prostataprotrusion und der prostatischen Urethra Angulation sind weitere Untersuchungen mit größerer Stichprobe und längerem Follow-Up nötig.

Literatur

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Bach, Thorsten/Höfner, Klaus: Therapie des benignen Prostatasyndroms entwickelt sich rapide. In: Uro-News 7-8 2015, 31–37

Döring, Nicola/Bortz, Jürgen: Empirische Sozialforschung im Überblick. In: Döring, Nicola et al. (Herausgeber). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. 5. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016, 3–30

Eckhardt, Mardy D. et al.: PREVALENCE AND BOTHERSOMENESS OF LOWER URINARY TRACT SYMPTOMS IN BENIGN PROSTATIC HYPERPLASIA AND THEIR IMPACT ON WELL-BEING. In: Journal of Urology 2 2001, 563–568

Gravas, Stavros et al.: EAU Guidelines on Management of Non-Neurogenic Male Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS), incl. Benign Prostatic Obstruction (BPO). https://uroweb.org/wp-content/uploads/EAU-Guidelines-on-Management-of-Non-Neurogenic-Male-LUTS-2021.pdf Version: 04.12.21

Kovács, Attila: Prostataarterienembolisation (PAE): Technik und Ergebnisse. In: Der Radiologe 8 2017, 641–651

Kovács, Attila: Interventional therapy in benign conditions of the prostate. In: Der Radiologe Suppl 1 2020, 54–62

Kovács, Attila et al.: Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Interventionsradiologie (DeGIR) zur Prostataarterienembolisation. In: RöFo – Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren 9 2020, 835–846

Kuo, Hann-Chorng: Clinical prostate score for diagnosis of bladder outlet obstruction by prostate measurements and uroflowmetry. In: Urology 1 1999, 90–96

Lengersdorf, Brigitte et al.: Urologie. In: Liehn, Margret et al. (Herausgeber). OP-Handbuch. 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin/ Heidelberg: Springer, 2016, 445–524

Margreiter, Markus/Shariat, Shahrokh: Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und benignes Prostatasyndrom (BPS). In: Michel, Maurice Stephan et al. (Herausgeber). Die Urologie. 1. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016a, 1279–1288

Margreiter, Markus/Shariat, Shahrokh: Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS). In: Michel, Maurice Stephan et al. (Herausgeber). Die Urologie. 1. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016b, 1289–1294

Maßmann, Alexander et al.: Die Prostataarterienembolisation zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms. In: Radiologie up2date 03 2020, 235–248

McWilliams, Justin P. et al.: Society of Interventional Radiology position statement: prostate artery embolization for treatment of benign disease of the prostate. In: Journal of vascular and interventional radiology 9 2014, 1349–1351

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Ponholzer, Anton et al.: Prostata. Wien: Verl.-Haus der Ärzte 2012, 1. Aufl.

Schroeder-Printzen, Immo: Erstattungspflicht von urologischen Behandlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). In: Michel, Maurice Stephan et al. (Herausgeber). Die Urologie. 1. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016, 2311–2315

Wefer, Björn/Loch, Annemie: Harninkontinenz im Erwachsenenalter. In: Schmelz, Hans Ulrich et al. (Herausgeber). Facharztwissen Urologie. 3. Aufl. Berlin: Springer, 2014, 467–485

Weidner, Wolfgang et al.: Urologische Diagnostik. In: Hautmann, Richard et al. (Herausgeber). Urologie. 5. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer, 2014, 35–94

 

Abbildungen

 

Erstbeurteilung:
Zweitbeurteilung:

Anmerkung: